Nachdenkliches zum Preis



Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und ein wenig billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug, zuviel zu bezahlen, aber es ist auch unklug, zuwenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist schon alles. Wenn Sie dagegen zuwenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfĂŒllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, fĂŒr wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, mĂŒssen Sie fĂŒr das Risiko das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Wenn Sie dies tun, dann haben Sie auch genug Geld, um fĂŒr etwas Besseres etwas mehr zu bezahlen.

John Ruskin, englischer Sozialkritiker, 1819 - 1900 


MĂŒssen Rassekatzen eigentlich so teuer sein?


Diese Frage mag sich vielen Katzenliebhabern stellen, die sich zum Kauf einer Rassekatze entschließen. So mancher wird sich fragen, wieso er viele hundert EURO fĂŒr ein sogenanntes Liebhabertier hinlegen soll, wo er doch weder zĂŒchten noch ausstellen will und der Stammbaum letztendlich in der Ablage verstauben wird. Schnell ist man sich einig, dass ZĂŒchter wohl unheimlich geldgierig sein mĂŒssen und sich an ihren Jungtieren eine goldene Nase verdienen. Aber zum GlĂŒck gibt es da ja auch noch zahlreiche "ZĂŒchter", die ihre Tiere zu Niedrigpreisen unter die Leute bringen. Deren Tiere haben auch einen Stammbaum, kosten aber oft nur halb so viel wie die Katzen eines ZĂŒchters, der an einen Verband angeschlossen ist. 


Was steckt hinter solchen eklatanten Preisunterschieden? 


Eine artgerechte Haltung und Aufzucht von Tieren hat ihren Preis. Daher muss bei Billigangeboten grundsÀtzlich davon ausgegangen werden, dass Schleuderpreise nur möglich sind, weil Elterntiere wie Welpen sie teuer mit ihrer physischen und psychischen Gesundheit bezahlen.

Es besteht die Gefahr, dass es sich bei diesen bedauernswerten Tieren um "Produkte" aus Massenzuchten handelt, die einzig Vermehrung und Verkauf zum Ziel haben. Die Muttertiere werden durch zu frĂŒhe und viel zu hĂ€ufige Bedeckung schamlos ausgebeutet, bis sie geschwĂ€cht und ausgemergelt sterben, bei der Verpaarung der Elterntiere finden Gesundheit, QualitĂ€t und Charakter keine Beachtung und von einer medizinischen Grundversorgung der Tiere kann nicht ausgegangen werden. Sie kĂ€me zu teuer. DarĂŒber hinaus werden die Welpen oft viel zu frĂŒh (vor der 13. Lebenswoche) abgegeben - so kann das Muttertier gleich wieder gedeckt werden. Dass Jungtiere, die unter solchen UmstĂ€nden gezeugt und aufgezogen werden, meist krank und schwach sind, kann sich selbst ein Laie denken.

Falls das Kleine die ersten Wochen bei seinem neuen Besitzer ĂŒberlebt, kommen auf diesen oft horrende Tierarztkosten zu, die den Betrag, den ein ZĂŒchter unseres Verbandes fĂŒr eines seiner Jungtiere verlangt hĂ€tte, bei weitem ĂŒbersteigen. Unter UmstĂ€nden werden solche Tiere nie ganz gesund, was nicht nur teuer ist, sondern auch viel Kummer fĂŒr den einzelnen bedeutet.


Alle ZĂŒchter, die einem Verein angehören, unterliegen Zuchtrichtlinien, die eng am Tierschutzgesetz ausgerichtet sind. Sie regeln ebenso das Mindestalter fĂŒr die Erstdeckung des Muttertieres und die HĂ€ufigkeit der zugelassenen Deckungen, wie die medizinische Versorgung (Impfungen, Wurmkuren) und das frĂŒhestmögliche Abgabealter der Jungtiere. Hierdurch sind optimale Bedingungen gewĂ€hrleistet, aus denen gesunde und psychisch stabile Tiere hervorgehen.

SpĂ€testens an dieser Stelle mĂŒsste klar sein, dass ein artgerechter und verantwortungsvoller Umgang mit Tieren seinen Preis hat. Verlangt einer unserer ZĂŒchter nun einige hundert EURO fĂŒr sein Jungtier, so hat er mit diesem Betrag oft nur knapp die Kosten gedeckt, die er bisher fĂŒr das kleine KĂ€tzchen hat aufbringen mĂŒssen: Angefangen bei den DeckkatergebĂŒhren, ĂŒber die medizinische Versorgung von Muttertier und Kleinen, bis hin zum qualitativ hochstehenden Futter, das eine optimale Grundversorgung gewĂ€hrleistet. Krankheiten nicht mitgerechnet, vor denen auch ein noch so verantwortungsbewusster ZĂŒchter nicht gefeit ist. Ein GeschĂ€ft ist mit dem Verkauf der Tiere daher kaum zu machen!

Werden Jungtiere zu auffallend gĂŒnstigen Preisen angeboten, so ist davon auszugehen, dass dies nur möglich ist, indem ihre körperlichen und seelischen BedĂŒrfnisse grob missachtet wurden.

Nur wer billig produziert, kann auch billig verkaufen!

Den Preis zahlen in erster Linie die Tiere! Aber auch die neuen Besitzer kommen in den seltensten FĂ€llen preisgĂŒnstig davon.Die einzigen, die zufrieden aus dem GeschĂ€ft hervorgehen, sind skrupellose GeschĂ€ftemacher, die durch den Verkauf nicht nur profitierten, sondern auch Platz fĂŒr neue Ware geschaffen haben.


Der Preis einer Rassekatze


AnfĂ€nger in Sachen Katzenkauf, und das sind sicherlich die allermeisten, sind nicht selten schockiert oder doch zumindest sehr ĂŒberrascht, wenn sie erstmals am Telefon einen Preis ab 600 Euro fĂŒr ein RassekĂ€tzchen genannt bekommen. Schließlich möchte man ja nur eine aus einer guten Zucht stammende Katze, kleine Fehler ist man ja bereit zu akzeptieren, ein Stammbaum muss auch nicht unbedingt sein. Nur soll es eben ein Rassetier sein. Eine herkömmliche Hauskatze entspricht entweder nicht so sehr dem Geschmack, oder ist von zweifelhafter Gesundheit und Erziehung. Viele Katzenliebhaber sind der Ansicht, dass "die ZĂŒchter" bei solchen Preisen das große Geld machen, sich eine goldene Nase verdienen.

Seriöse ZĂŒchter sehen sich gezwungen, sich gegen solche Behauptungen zur Wehr zu setzen. So listen manche von ihnen auf Heller und Pfennig ihre Unkosten auf, um zu beweisen, dass hier kein Geld verdient wird, und Preise um die 600,- Euro gerade die Kosten decken.

Wer einmal genau ĂŒberlegt, was alles notwendig ist, um Rassekatzen optimal aufzuziehen, kommt schnell dahinter: Rassekatzenzucht ist ein Hobby, und ein Hobby kostet Geld, statt etwas einzubringen!

Da sind zunĂ€chst die Anschaffungskosten fĂŒr gute Zuchttiere, die können schnell bei 1000,- Euro pro Tier liegen. Dann folgen die VereinsbeitrĂ€ge, denn ein seriöser ZĂŒchter ist auf jeden Fall in einem guten Verein. Fachliteratur und Seminare, um sich fortzubilden, fallen laufend an. Die Wohnung muss katzengerecht eingerichtet werden, evtl. auch der Garten bzw. die Terrasse oder der Balkon. Ein Ausstellungsbesuch, vielleicht sogar im Ausland, schlĂ€gt schnell mit ein paar hundert Mark zu Buche. Die Zuchttiere mĂŒssen besonders gut ernĂ€hrt werden und verlangen regelmĂ€ĂŸge Impfungen. Die Deckung bei einem guten Kater kostet auch einige hundert Euro, aber auch die Haltung eines eigenen Deckkaters ist nicht billig. Sind die Kitten da, mĂŒssen Anzeigen geschaltet werden und auch die Kleinen verlangen bestes Futter und die Grund-Impfungen. Die Ausstellung der StammbĂ€ume kostet hingegen nur ca. 20,- Euro. Was der ZĂŒchter allerdings an Sorgen und Arbeit in die Aufzucht steckt, das schlĂ€gt sich in der Regel kaum im Preis nieder.

Mit "Billigkatzen" zieht man oft den KĂŒrzeren!

Sparen lohnt sich gerade bei der Anschaffung eines Tieres selten. Ein LebensgefĂ€hrte fĂŒr etwa 15 Jahre und lĂ€nger sollte mit Verstand und MĂŒhe ausgesucht und nicht vom Preis abhĂ€ngig gemacht werden. Kann man sich die durchschnittlichen Preise fĂŒr seine Traumkatze nicht leisten, so sollte man lieber nach einem HauskĂ€tzchen Ausschau halten, als eine Zucht, die unwĂŒrdige, teils tierquĂ€lerische Haltungs-und Aufzuchtbedingungen bietet, durch einen Mitleidskauf zu unterstĂŒtzen. Ein krĂ€nkelndes, verhaltensauffĂ€lliges Problemtier ist oftmals nicht tragbar fĂŒr Familie und Haushalt. Mancher sieht dies leider erst zu spĂ€t ein, nĂ€mlich nach gemachter schlechter Erfahrung. Dies sind gerade die KatzenkĂ€ufer, die sogenannte Billig- und Massenzuchten unterstĂŒtzen und am Leben erhalten. 

Ein ZĂŒchter, der Rassekatzen ohne Stammbaum anbietet, hat es sich entweder durch seine schlechte Tierhaltung verwirkt, in einem ordentlichen Verein Mitglied zu sein, oder er erhielt keine StammbĂ€ume vom Verein, weil er die Zuchtbestimmungen nicht eingehalten hat. Wenn also ohne Vereinsmitgliedschaft gezĂŒchtet wird, entzieht sich ein solcher "ZĂŒchter", ganz bewusst jeglicher Kontrolle. Man kann also von vornherein annehmen, dass er VerstĂ¶ĂŸe gegen die Interessen der Katzen begeht oder beabsichtigt, sonst brĂ€uchte er ja Kontrolle nicht zu fĂŒrchten. 

Bei ernsthaften Rassekatzenfreunden, die sich mit dem Kauf ihrer Traumkatze Zeit lassen und sich nicht mal eben auf die Schnelle irgendein Tier zulegen, haben die Preise Akzeptanz und Einsicht gefunden. Welcher seriöse ZĂŒchter wĂ€re auch noch zur Aufzucht schöner, gesunder und charakterfester Kitten bereit, wenn er bei jedem Tier drauflegen mĂŒĂŸte. Das muß man ohnehin, wenn ein neues Außengehege fĂ€llig ist oder eine teure Zuchtkatze keine Jungen bekommt oder nach einem Kaiserschnitt die Aufzucht verweigert. Handaufzucht ist nĂ€mlich ein 24-Stundenjob bei dem nicht nur der Jahresurlaub drauf geht!



Die Freude an schönen, verschmusten und kerngesunden KĂ€tzchen mit zufriedenen KĂ€ufern ist der wirkliche Lohn der ZĂŒchter!




aktualisiert am: 09.10.2020 18:35:50


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