Anno 933


Der Ortsteil Keuschberg ist wohl als einer der Ă€ltesten, aber auch bedeutendsten  Orte der Umgebung gewesen. Der Ort war Mittelpunkt eines Burgwarts gleichen Namens. In einer Urkunde vom 5. Juli 993 wird Keuschberg erstmalig erwĂ€hnt. Kaiser Otto III. schenkte demzufolge seinem Kaplan GĂŒnther zwölf königliche Hufen, der im Dorf Uglici im Burgwart Cuskiburg. Keuschberg war damals fĂŒr die Umgebung sowohl kirchlicher als auch politischer Mittelpunkt und wurde somit auch nicht im  30 – jĂ€hrigen Krieg und anderen kriegerischen Handlungen mit Brandschatzungen, Mord und PlĂŒnderung verschont.

Oberhalb der Saale gelegen, abgegrenzt zum Stadtgebiet durch die Gradierwerke, befindet sich der Bad DĂŒrrenberger Kurpark. Mit seinen gepflegten Blumenanlagen und RasenflĂ€chen, den ĂŒber 80- jĂ€hrigen Palmen und alten, mĂ€chtigen BĂ€umen vermittelt der ĂŒber 10 ha große Kurpark das Flair des ehemaligen Kurbetriebes.Als einer der schönsten Kurparke Mitteldeutschlands bietet er jĂ€hrlichzehntausenden Besuchern Ruhe, Entspannung und Erholung. Auch dem geschichtlich interessierten Besucher bietet der Kurpark eine FĂŒlle.ErwĂ€hnenswert ist u.a. der Hinweis zur Schlacht bei Riade um 933 n. Ch. und der Hunnenstein. 

Die Hunnenschlacht bei Keuschberg - 15. MĂ€rz 933

Ende des 3. Gradierwerkes liegt ein großer Braunkohlenquarzit, der „Hunnenstein“.



Geheimnisvoll umwittert und moosbedeckt steht im hintersten Teil des Bad DĂŒrrenberger Kurparks ein Zeuge der Vergangenheit, der sogenannte „Hunnenstein“. Er soll Augenzeuge dafĂŒr sein, daß hier in der NĂ€he, im 10. Jahrhundert, einst eine mĂ€chtige Schlacht stattgefunden hat 

Es kann schon sein, daß etwas Wahres daran ist. Nur eins mĂŒssen wir richtig stellen, die „Hunnen“, diesen mongolischen Nomadenstamm, gab es schon seit ihrer Niederlage gegen die Römer in der Schlacht auf den „Katalaunischen Feldern“(415n. Chr.), nicht mehr. Ihr Name und ihr Ruf verbreitete aber immer noch Angst und Schrecken, als im 9. und 10. Jahrhundert, aus dem Gebiet zwischen Ural und Wolga, die Ungarn oder Magyaren nach Europa zogen. Dieses asiatische Reitervolk ĂŒberfiel die LĂ€nder genau wie einst die Hunnen. Ihre wilden Reiterscharen verbreiteten ĂŒberall Angst und Schrecken. Die alten Schriften berichten, daß sie Blut tranken, rohes Fleisch aßen, ausgezeichnete JĂ€ger und noch bessere Reiter waren. Sie kĂ€mpften immer zu Pferde und schoßen wĂ€hrend des Reitens mit unglaublicher Sicherheit. 

Geheimnisvoll umwittert und moosbedeckt steht im hintersten Teil des Bad DĂŒrrenberger Kurparks ein Zeuge der Vergangenheit, der sogenannte „Hunnenstein“. Er soll Augenzeuge dafĂŒr sein, daß hier in der NĂ€he, im 10. Jahrhundert, einst eine mĂ€chtige Schlacht stattgefunden hat.

Jedes Jahr erschienen sie irgendwo, mal in Franken, in Italien, Spanien, selbst in Bremen mordeten, raubten, sengten und brannten sie. Keine Macht der Welt konnte die Menschen vor diesen wilden RĂ€ubern schĂŒtzen. Auch der König Konrad mußte dem Treiben der Ungarn tatenlos zusehen. Als er einst starb, schickte er seinen Bruder Eberhard mit der Königskrone zum sĂ€chsischen Herzog Heinrich. Dieser wurde dann in Fritzlar zum deutschen König gewĂ€hlt. 

Aber auch König Heinrich konnte zunĂ€chst nichts gegen die rĂ€uberischen Horden der Ungarn ausrichten. Auf der Flucht vor den Ungarn rettete er sich in seine Pfalz Werla. Als es ihm dort gelang, den ungarischen FĂŒrstensohn Zoltan als Geisel zu fangen, konnte er den Ungarn einen neunjĂ€hrigen Frieden anbringen. Jedes Jahr holten sich nun die Feinde ihre Beute, Gold, SchĂ€tze, selbst Menschen. Überall begann inzwischen ein RĂŒsten und Wappnen. Geharnischte Ritter ĂŒbten mit Roß, Schwert und Lanze. GrĂ€ben, WĂ€lle und Mauern schĂŒtzten Burgen und Festen, wie in Treben, Keuschberg und Merseburg. Die Burgwarte wurden von der „Keuschberger Schar“ bewacht, auch die „Veste“, in der Schwester König Heinrichs die SchĂ€tze des Reiches behĂŒtete.
Als die Jahre des Friedens abgelaufen waren, forderten die Ungarn wieder Tribut. Doch König Heinrich schleuderte ihnen, als Anspielung auf ihren Namen, nur einen toten Hund vor die FĂŒĂŸe.
Furchtbare Rache schworen die Feinde und wieder ĂŒberfielen sie die Lande. Doch bei Keuschberg erwartete sie König Heinrich mit seinen „Mannen“ aus Bayern, Schwaben, Franken und ThĂŒringen. Hunderttausende Reiter sollen es gewesen sein, die ihr Land retten wollten.

Am „Hunenstein“ schwor König Heinrich; „So wahr sich der Adruck meiner Hand im Stein zeigt, so werden wir den Feinde besiegen!“ Mit seinen leichten ThĂŒringer Reitern lockte er die Feinde aus ihrem Lager, der „Hunnenschanze“ von Schkölzig. Plötzlich standen die dann seiner gewaltigen Schar der Panzerreiter gegenĂŒber. Von diesen wurden die Ungarn vernichtend geschlagen und in die Flucht, in Sumpf und das Ried der Saale getrieben. So tönte an jenem 15. MĂ€rz 933 an den Ufer der Saale der Schlachtgesang, das „Hui, hui, hui“ der Ungarn und das „Kyrie Eleison, Herr erbarme Dich!“ des Ritterheeres unter dem wehenden Michaelisbanner. Überall erklang Todesröcheln und Siegesjubel. Als das Land in der DĂ€mmerung versank, war das ungarische Heer vernichtet. Blutrot hatte sich das Ried und die Saale verfĂ€rbt, in die die flĂŒchtenden Feinde getrieben wurden. Jahrelang wagten sie es nicht, deutschen Boden zu betreten.


Heinrich I. gelobte im Angesicht des großen Sieges, in Keuschberg eine Kirche zu erbauen. Da dort zwei gefallene Ritter begraben wurden, zierten diese alte Kirche zwei KirchtĂŒrme.

In seiner Pfalz Merseburg ließ der König zum Ruhme der siegreichen Schlacht ein großes SchlachtgemĂ€lde anbringen. Das GemĂ€lde ist inzwischen verschwunden, doch der Stein im Kurpark Bad DĂŒrrenbergs erinnert noch immer an König Heinrichs Ruhmestat. In stĂŒrmischen MĂ€rznĂ€chten hört man heute noch das wilde „Hui, hui, hui“ der ungarischen Reiterhorden.


27.11.2020 11:10:56



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